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4. Foyerkonzert

Französische Sonaten-Matinee
11.03.2018
11:15 Uhr

Vor genau hundert Jahren starb Claude Debussy – neun Monate vor seinem Tod vollendete er seine letzte Komposition: die Sonate für Violine und Klavier g-moll. Er wollte eine explizit französische Musik schreiben, um den Nationalstolz des französischen Volks mitten im Ersten Weltkrieg zu stärken. Dabei orientiert Debussy sich an der Formsprache der französischen Vorklassiker François Couperin und Jean-Philippe Rameau und lässt Violine und Klavier in einen intimen, ausbalancierten Dialog treten. Exotische Anleihen und erotische Spannung durchdringen das von französischer Klarheit, Eleganz und Poesie geprägte dreisätzige Werk, das sich durch eine geniale Klangqualität auszeichnet und gleichermaßen Melancholie und Lebensfreude ausstrahlt. Es ist ein selbstbewusster Schwanengesang – auf dem Erstdruck der Sonate stand geschrieben: „Claude Debussy – Musicien français“.

Francis Poulenc, den man als neoklassizistisch witzigen, heiter parodierenden Komponisten kennt, zeigt sich bei der Auseinandersetzung mit der Form der Violinsonate von seiner ernsten Seite. Er schrieb die „Sonate à la memoire de Federico García Lorca“ im Andenken an den 1936 von den Faschisten ermordeten spanischen Dichter. Poulencs Nichte, die Violinistin Ginette Neveu, für die er die Sonate komponierte, hatte maßgeblich Einfluss auf das Werk. Mit ihr zusammen brachte er das Werk 1943 in Paris zur Uraufführung. In jedem Satz zitiert er den damals verbotenen Jazz-Standard „Tea for two“ als stillen Protest gegen die deutsche Okkupation. 1949 kam Neveu bei einem Flugzeugabsturz ums Leben – Poulenc revidierte die Fassung und ersetzte den ursprünglichen dritten Satz durch ein ‚Presto tragico‘.

Eigentlich hatte Maurice Ravel Vorbehalte gegen die Verbindung von Violine und Klavier und so brauchte er ganze vier Jahre zur Fertigstellung seiner Violinsonate, die im Übrigen auch sein letztes Kammermusikstück wurde. Mit den Satzbezeichnungen wendete sich Ravel von der Tradition der klassischen Sonate ab: ein Allegretto in neobarocker Kühle, ein Blues als Mittelsatz und ein Perpetuum mobile als Finale. Die beiden Instrumente verschmelzen nicht zum pastosen Klang, sondern beweisen in trotziger Beharrlichkeit die Unvereinbarkeit ihrer Klänge.



Mit: Sönke Reger, Violine; Aris Alexander Blettenberg, Klavier