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Zusatzinformationen

Berühmte Persönlichkeiten

Berühmte Musiker

Johannes Brahms Johannes Brahms
Komponist, Pianist, Dirigent;
* 07. 05. 1833 Hamburg, † 03. 04. 1897 Wien

Brahms hielt sich während 14 Aufenthalten ca. 100 Tage in Meiningen auf. Die Werrastadt entwickelte sich von 1880 bis 1914 zum ersten deutschen Brahms-Zentrum. Angebahnt wurde der erste Arbeitsaufenthalt im Oktober 1881 durch Hans von Bülow, 1880 bis 1885 Intendant der Meininger Hofkapelle.

Geprobt wurde vor allem Brahms'  im Sommer 1881 enstandenes 2. Klavierkonzert B-Dur op. 83, das im Hoftheater seine nicht öffentliche Uraufführung erlebte. Bereits im Monat darauf kam Brahms erneut nach Meiningen.

Ab 1882 folgten zahlreiche gemeinsame Aufführungen. Konzertreisen mit der Hofkapelle führten ihn u. a. nach Berlin (1882), Kiel und Hamburg (1882), Wien (1884) sowie in das Rheinland und nach Holland (1885). Am 3. Februar 1884 dirigierte Brahms im Meiningen die Erstaufführung der 3. Sinfonie op. 90, am 25. Oktober 1885 die Uraufführung seiner e-Moll-Sinfonie op. 98.

Nicht nur Bülow trat seit 1881 leidenschaftlich für die Brahms'schen Werke ein. Auch das Herzogspaar brachte dem Komponisten große Sympathie entgegen. Ein regelrechter "Brahms-Kult" entstand. Auch nach Bülows Weggang von Meiningen 1885 hielt sich der Komponist fast in jedem Jahr zu Konzerten, aber auch privat in den Schlössern von Meiningen und Altenstein auf.

Ab Herbst 1886 folgte die enge Zusammenarbeit mit dem Meininger Hofkapellmeister Fritz Steinbach, der Brahms in den Mittelpunkt von drei Landesmusikfesten stellt. Ab März 1891 arbeitete Brahms mit dem Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld zusammen, für den er vier Werke schrieb.
1899 wurde im Englischen Garten das weltweit erste Brahms-Denkmal (Bildhauer: Adolf von Hildebrandt) eingeweiht.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Hans von Bülow Hans von Bülow

Dirigent, Pianist, Komponist
* 8. 1. 1830 Dresden, † 12. 2. 1894 Kairo

Anfänglich von Friedrich Wieck, Clara Schumann und Ignaz Moscheles auf dem Klavier unterrichtet, erhielt er bei seinen Leipzig-Besuchen Einblick in das dortige Musikleben. Geprägt vom verbreiteten musikalischen Konservatismus, interessierte er sich seit früher Jugend für das Werk Richard Wagners.

Auch während seines 1848 begonnenen Jura-Studiums (Leipzig, Berlin) setzte Bülow seine Musikstudien fort.
Im Herbst 1850 folgte er Richard Wagner nach Zürich und wurde Franz Liszts Schüler in Weimar. Eine erste Anstellung fand er als Klavierlehrer am Berliner Sternschen Konservatorium. Privat unterrichtete Bülow Ellen Franz, die spätere Helene Freifrau von Heldburg, und Cosima Liszt, die er 1857 heiratete.
1864 berief ihn König Ludwig II. von Bayern nach München, wo er 1867 Hofkapellmeister wurde.

Noch während Cosima zwei Töchter Wagners gebar, setzte sich Bülow weiterhin unermüdlich für den Komponisten ein. Bülow dirigierte u. a. die Uraufführung des "Tristan" (10. Juni 1865) und der "Meistersinger von Nürnberg" (21. Juni 1868). Nach der Scheidung von seiner Frau begann Bülow ein rastloses Konzertleben, das er erst mit der Anstellung als Hofkapellmeister in Hannover vorübergehend aufgab.
Durch Vermittlung von Helene Freifrau von Heldburg 1880 als Intendant der Meininger Hofkapelle engagiert, machte er den Klangkörper zu einem international gefeierten Eliteorchester, das durch Orchester-Tourneen (Schweiz, Holland, Dänemark, England, Böhmen) in Europa berühmt wurde und bleibende Maßstäbe setzte.

Charakteristisch sind die Zentralfigur des Dirigenten, die Interpretations- und Probenkultur, Programmstruktur, Musteraufführungen und Gastspielreisen. Prägend wurde die im Herbst 1881 begonnene Zusammenarbeit mit Johannes Brahms, der dem Verehrer die Verbreitung und Bekanntmachung seiner großen Instrumental- und Vokalwerke verdankt. Symptomatisch für den Stellenwert des Orchesters ist der von dem Hofkapell-Gastspiel im Januar 1882 ausgehende Gründungsimpuls für das Berliner Philharmonische Orchester. Bülows Profil hatte entscheidenden Einfluß daran, dass Meiningen unter Herzog Georg II. zum Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth avancierte.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Max Reger Max Reger

Komponist, Pianist, Dirigent, Hofkapellmeister
* 19.03.1873 Brand, † 11.05.1916 Leipzig

Gern nimmt Reger die Berufung zum Hofkapellmeister Herzog Georgs II. von Sachsen-Meiningen per 1. Dezember 1911 an. Ganz bewusst trat er das Erbe Hans von Bülows an und profilierte die Hofkapelle vor allem mit eigenwilligen Interpretationen der Klassiker. Seine geradezu archäologisch anmutende Suche nach verborgenen motivisch-thematischen Zusammenhängen und die daraus erwachsende überformende Auffassung insbesondere der Brahms-Sinfonien führte zu Auseinandersetzungen mit Fritz Steinbach.

Der tägliche Umgang mit dem qualitätvollen Klangkörper inspirierte Reger zur Komposition von mehr als 20 Orchesterwerken verschiedener Stilrichtungen, darunter das dem Herzog Georg II. gewidmete "Konzert im alten Stil" op. 123, die "Romantische Suite" op. 125 und die "Vier Tonbilder nach A. Böcklin" op. 128.

Das Bestreben, neben der Hofkapellmeistertätigkeit samt atemberaubenden Tourneeplänen, dem Unterricht am Leipziger Konservatorium auch dem Bild des reisenden Interpreten zu entsprechen, erwies sich als kräfteraubender Spagat. Übermäßig genoß Reger Alkohol und Nikotin. Am Ende der dritten Meininger Konzertsaison erlitt er einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch, der ihn am 6. April 1914 zur Aufgabe seines Amtes bewog. Während des verordneten Arbeitsverbotes in Meran und Schneewinkl entstanden u. a. die Mozart-Variationen für Orchester op. 132. Gewidmet ist Regers wohl populärstes Orchesterwerk der Meininger Hofkapelle.

Die nach der Rückkehr des nunmehr freischaffende in Meiningen tätigen Komponisten folgende erneute Arbeitsphase brachte zahlreiche neue Werke hervor.
Unter dem Eindruck des Krieges begann Reger mit der Komposition eines mehrsätzigen Requiems für Soli, Chor, Orchester und Orgel.
Reger folgte Karl Straubes Rat, die Komposition abzubrechen. Die daraus erwachsene Schaffenskrise überwand er erst mit dem Umzug nach Jena im März 1915.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Richard Mühlfeld Richard Mühlfeld

Johannes Brahms stellte ihn gern als „Fräulein von Mühlfeld, meine Primadonna“ vor und nannte ihn die „Nachtigall des Orchesters“.
Gemeint war der Meininger Klarinettist Richard Mühlfeld (1856-1907).
Der Bekanntschaft von Brahms und Mühlfeld verdanken wir die neben Mozart bedeutendsten und schönsten Kammermusikwerke mit Klarinette.
Der Sohn des Salzunger Stadtmusikus Leonhard Mühlfeld erlernte zunächst Violine. 1873 trat er als Geiger in die Meininger Hofkapelle ein, wurde mitunter aber auch als Klarinettist eingesetzt. Schon in seiner Jugend hatte er die Grundlagen des Klarinettenspiels erlernt und bildete sich autodidaktisch so erfolgreich weiter, dass er 1879 die Erste Klarinette in der Hofkapelle übernehmen konnte.
Nicht nur Hans von Bülow war begeistert von Mühlfelds musikalischer Intelligenz und der Schönheit seines Tons. Von 1884 bis 1896 gehörte Mühlfeld auch dem Bayreuther Festspielorchester als Soloklarinettist an.
1891 lernte ihn Brahms kennen. Er war von Mühlfelds Spiel so angetan, daß er für ihn vier Werke mit Klarinette schrieb. Im Sommer 1891 entstanden das Trio a-Moll op. 114 für Klarinette, Violoncello und Klavier sowie das Klarinettenquintett h-Moll op. 115. Drei Jahre später folgten die beiden Klarinettensonaten op. 120. Ab 1892 unternahm Mühlfeld ausgedehnte Konzertreisen, u.a. mit Brahms und dem Geiger Joseph Joachim. Bis zu seinem unerwarteten Tod 1907 blieb er Mitglied der Meininger Hofkapelle.

Dr. Maren Goltz, Meininger Museen

Georg Caspar Schürmann Georg Caspar Schürmann

Sänger, Komponist
* 1672 (oder Anfang 1673) Idensen bei Hannover;
† 25. 02. 1751 Wolfenbüttel

Der seit 1693 zunächst als Altist in Hamburg angestellte und von Johann Sigismund Kusser und Reinhard Keiser beeinflußte Schürmann trat nach einem Gastspiel am Braunschweiger Hof im Sommer 1697 in den Dienst Herzog Anton Ulrichs. Als Komponist von hochqualitätvoller und wirkungsvoller Vokalmusik und Bühnenwerken war er so erfolgreich, dass der braunschweigische Herzog seinem Kapellmeister Schürmann 1701 eine Studienreise nach Venedig bewilligte.

Auf Grund der engen dynastischen Beziehungen zwischen beiden Höfen wurde der international erfahrene Künstler um 1702/03 in Meiningen tätig. Von den hier entstandenen Kirchenkantaten, Opern und Balletten sind nur Bruchteile überliefert, darunter neben drei vollständigen Pfingstkantaten (komponiert für den 31. Mai bis 2. Juni 1905), Einzelsätze aus den Singspielen "Leonilde" (1704) und "Das zerstörte Troja" (1706). Im Jahr nach dem Tod Herzog Bernhards I. (April 1706) und der Heirat mit Sophie Charlotte Cesar (Mai 1706, der Schwester des späteren Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen) kehrte Schürmann an den Hof des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel zurück, wobei er nach seinem Weggang mindestens ein weiteres Mal für den Meininger Hof tätig wird.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Johann Ludwig Bach Johann Ludwig Bach

Kapellmeister, Komponist
getauft 06.02.1677 Thal, begraben 01.05.1731 Meiningen

Bach wuchs wie sein 8 Jahre jüngerer Vetter Johann Sebastian in einem musikalischen Haushalt auf. Bereits 1699 als "Hoboist und Laquay" am Meininger Hof tätig, übernahm Bach im Mai 1703 das Amt als Pageninformator und Kantor. Neben dem Unterricht der Pagen in Religion, Schreiben, Rechnen, Geschichte, höfischen Etiketten war er für die Betstunden, die Führung der Kirchenbücher und die sonntägliche Intonierung des Chorals im Gottesdienst verantwortlich.

Nach dem Tode Herzog Bernhards I. (April 1706), bewarb er sich erfolglos um das Eisenacher Kantorat. Nach Georg Caspar Schürmanns Weggang aus Meiningen oblag Bach die Verwaltung der Instrumente des Hofes sowie die Komposition von weltlichen Werken, u. a. für die Ausgestaltung von Hoffesten in Meiningen und Coburg.
1711 erfolgte die Übernahme des Hofkapellmeister-Amtes.

1726 führte Johann Sebastian Bach mehrere Kantaten Johann Ludwig Bachs in Leipzig auf. Von J. L. Bachs weltlichem und geistlichem Werk ist nur ein Bruchteil erhalten. Das eindrucksvollste Werk der überlieferten geistlichen Vokalmusik ist die Trauermusik auf den 1724 verstorbenen Herzog Ernst Ludwig I. von Sachsen-Coburg-Meiningen.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Richard Strauss Richard Strauss

Komponist, Dirigent
* 11.06.1864 München, † 08.09.1949 Garmisch

Hans von Bülow wurde 1881 auf den Sohn des hochgeschätzten Münchner Hornisten Franz Strauss aufmerksam. Nach anfänglich negativem Urteil über die Fünf Klavierstücke op. 3 interessierte er sich für die Es-Dur-Serenade op. 7 und nahm diese nach der Aufführung am 26. Dezember 1883 in das Repertoire der Hofkapelle auf. Strauss' Bläsersuite B-Dur op. 4 wurde maßgeblich von der renommierten Meininger Bläsermusik um Richard Mühlfeld inspiriert und unter Leitung des Komponisten am 18. November 1884 uraufgeführt.

Am 4. März fand 1885 in einem "Extra-Concert" die Uraufführung von Strauss' Konzert für Waldhorn Es-Dur op. 11 mit dem Solisten Gustav Leinhos in Meiningen statt. In der Nachfolge Franz Mannstädts wurde Strauss auf Bülows Betreiben zum 1. Oktober 1885 als Kapelldirektor und Bülows Stellvertreter eingestellt. Unter den weiteren Bewerbern hatten sich z. B. Gustav Mahler, Jean Louis Nicodé und Felix Weingartner befunden. Bülows berühmtester Schüler debütierte im 2. Abonnementskonzert am 18. Oktober 1885 in Anwesenheit von Johannes Brahms als Pianist mit Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491 sowie als Dirigent mit seiner Sinfonie f-Moll op. 12. Bei der 25. Oktober 1885 stattfindenden Uraufführung von dessen 4. Sinfonie war Strauss ebenfalls anwesend. Seit Bülows Rücktritt am 1. Dezember 1885 stand er an der Spitze der Meininger Hofkapelle.

Lebhaft interessierte Strauss sich während seines halbjährigen Meininger Engagements auch für die Proben und Aufführungen des Meininger Schauspielensembles. Sein Abschiedskonzert von Meiningen war das gemeinsam mit Brahms musizierte Festkonzert zu Ehren des 60. Geburtstages von Herzog Georg II. Seine Entscheidung, sein Amt mit dem des 3. Kapellmeisters an der Münchner Hofoper zu wechseln, dürfte auch maßgeblich mit dem Engagement des mit ihm befreundeten Violinisten Alexander Ritters dorthin zusammenhängen.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Fritz Steinbach Fritz Steinbach

Musiker, Dirigent
* 1855, † 1916

Steinbach absolvierte Studien am Leipziger Konservatorium sowie bei Gustav Nottebohm (Theorie und Kontrapunkt) und Anton Door (Klavier) in Wien. Wie vor ihm Max Bruch und Engelbert Humperdinck wurde der 19-Jährige 1874 Stipendiat der Frankfurter Mozart-Stiftung.

Obwohl er anfänglich eine Komponisten-Laufbahn angestrebt hatte, etablierte sich Steinbach ab ca. 1879 zunehmend als Dirigent. Nach einer ersten Anstellung als 2. Kapellmeister in Mainz, begleitete er ab 1886 17 Jahre lang das Amt des Meininger Hofkapellmeisters. Ihm gelang es, die von Bülow erarbeitete Stellung der Brahms'schen Werke in der Konzertkultur enorm auszubauen. Steinbach war zwischen 1853 und 1902 nicht nur zahlenmäßiger Spitzenreiter unter den Brahms-Interpreten und damit ein wesentlicher Impulsgeber der europäischen Brahms-Rezeption um 1900.

Er galt auch über seinen Tod hinaus international als einer der besten Brahms-Dirigenten. Die von ihm initiierten Landesmusikfeste 1895 und 1899 ließen Meiningen zu einem Mekka der Brahms-Kenner und -Liebhaber werden. An der Errichtung des ersten Brahms-Denkmals im Oktober 1899 war er wesentlich beteiligt. Prägend für seine Amtszeit wurden ebenfalls große chorsinfonische Konzerte unter Einbeziehung von Ensembles aus dem gesamten Herzogtum. So leitete er z. B. die Meininger Erstaufführung von Johann Sebastian Bachs "Matthäus-Passion" (1890).

Auch mit der Edition der Brandenburgischen Konzerte machte er sich um die Bachpflege verdient. Nachdem die Realisierung des ambitionierten Planes der Errichtung einer Brahms-Konzerthalle mit angeschlossenem Konservatorium im Englischen Garten nicht gelang, folgte er 1903 dem Ruf an das Kölner Gürzenich-Orchester und wurde zugleich Direktor des Kölner Konservatoriums, wo er u. a. den Komponisten Erwin Schulhoff und den Dirigenten Fritz Busch unterrichtete.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Wilhelm Berger

Komponist, Pianist, Dirigent
* 09. 08. 1861 Boston, † 15.01.1911 Jena

Der Sohn eines Musikalienhändlers zeichnete sich früh durch sein Kompositionstalent aus. Bereits 1875 erschienen von ihm Lieder und Klavierwerke im Druck. Von 1878 bis 1884 studierte er an der Königlichen Hochschule zu Berlin bei Ernst Rudorff, Woldemar Bargiel und Friedrich Kiel.

Von 1888 bis 1903 Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium und seit 1899 Dirigent der Berliner "Musikalischen Gesellschaft", wurde der Komponist eines umfangreichen Oeuvres 1903 Professor und Mitglied der Königlichen Akademie der Künste sowie Fritz Steinbachs Nachfolger als Hofkapellmeister in Meiningen. Berger erkrankte schwer und verstarb im Alter von 50 Jahren.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

Günter Raphael Günter Raphael

Pianist, Komponist, Musikpädagoge
* 30. 04. 1903 Berlin, † 19. 09. 1960 Herford

Früh von der Mutter Maria Raphael in den Fächern Viola und Klavier unterrichtet, begann der 9-Jährige zu komponieren. Nach dem Studium an der Berliner Musikhochschule vermittelte Karl Straube Privatstudien bei Arnold Mendelssohn in Darmstadt. Der Leipziger Thomaskantor stellte ihn 1926 als Lehrer für Komposition und Musiktheorie am Leipziger Kirchenmusikalischen Institut an. Ausdruck von Raphaels hoher Begabung und den vielbeachteten Erfolgen sind u. a. zahlreiche bei renommierten Verlagen erschienenen Werke des knapp 30-Jährigen. Zunächst an Brahms, Reger und der Leipziger gemäßigten Moderne orientiert, bildete er in späteren Jahren einen persönlichen Stil heraus.

In Meiningen erlitt Raphael während des Nationalsozialismus wegen seiner "nichtarischen" Abstammung über 10 Jahre eine schwere Einschränkung seiner persönlichen und künstlerischen Freiheit, die zeitweise in eine existenzielle Bedrohung mündete. In die Werrastadt war Raphael nach der erfolgten Entlassung aus dem Lehramt (November 1933) mit seiner Ehefrau Pauline Jessen umgezogen. Der Ablehnung seines Aufnahmeantrages in die Reichsmusikkammer (RMK) per 22. August 1935 folgte die Genehmigung der Berufstätigkeit per 19. September 1935. Zwar erlaubte ihm die Wiederaufnahme in die RMK per 6. Mai 1936, seine Kompositionen zu veröffentlichen und Unterricht zu erteilen, aber das mit der Mitgliedschaft de jure verbundene öffentliche Auftrittsrecht machte ihm der Städtische Musikbeauftragte Meiningens, Ottomar Güntzel, beharrlich streitig.

Anläßlich eines für den 22. Juni 1937 geplanten Haydn-Mozart-Beethoven-Abends im Meininger Schloß verschärfte dieser den Druck auf Raphael und wandte sich u. a. wiederholt an Peter Raabe, den Präsidenten der Reichsmusikkammer. Zwar gelang Güntzel die Verhinderung des Konzertes nicht, aber nach Insistieren von verschiedenen Seiten zog eigens Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, per Schreiben vom 8. März 1939 die erteilte Sondergenehmigung zurück und verbot Raphael weiteres "Auftreten bzw. Spielen".

Die am 18. April 1939 erfolgte Einziehung der Mitgliedskarte der Reichsmusikkammer verbot ihm jegliche Betätigung auf dem "Zuständigkeitsgebiet der Reichsmusikkammer". Trotz schwerer Erkrankungen war Raphael auch in dieser Zeit schöpferisch tätig. Nur knapp entging er der Deportation, zuletzt durch die Aufnahme in ein Krankenhaus von Bad Nauheim (1944). Die ersten Nachkriegsjahre verlebte Raphael in Laubach/Oberhessen. Nach Unterricht an den Konservatorien in Duisburg und Mainz übernahm er von 1957 bis zu seinem Tode eine Professur in Köln. 1948 wurde er mit dem Liszt-Preis der Stadt Weimar, 1968 postum als Ehrensenator der Leipziger Musikhochschule geehrt.

Quelle: Meininger Museen, Dr. Maren Goltz

 

Berühmte Literaten

Rudolf Baumbach Rudolf Baumbach

(1840-1905)

Der in Kranichfeld bei Weimar geborene Arztsohn verbrachte Kindheit, frühe Jugend und seine letzten zwanzig Lebensjahre in Meiningen. Eine naturwissenschaftliche Laufbahn anstrebend, studierte Baumbach von 1860 bis 1864 entsprechende Disziplinen an den Universitäten Leipzig und Würzburg.

Nach seiner Promotion in Heidelberg wurde er 1864 Assistent am Botanischen Institut Freiburg i. Br. Finanzielle Probleme bereiteten dieser Laufbahn ein Ende, und in den Jahren darauf fand sich Dr. Baumbach als „fahrender Gesell“ – d.h. Privatgelehrter ohne feste Anstellung – auf den Straßen Süddeutschlands und Österreichs wieder.

1870 ließ er sich als Hauslehrer in Triest nieder. Dort engagierte sich der begeisterte Bergwanderer literarisch für den Alpenverein. Auf diesem Umweg wurde sein dichterisches Talent entdeckt. 1877 gelang Baumbach der internationale Durchbruch mit dem Versepos „Zlatorog“. Auf die sagenhafte Gemse mit dem Goldgeweih verweisen mehrere Exponate in der Ausstellung. Im Jahr darauf erschien sein erster Gedichtband „Lieder eines fahrenden Gesellen“, 1880 der erste Prosaband „Sommermärchen“.

1885 kehrte Rudolf Baumbach als freischaffender Autor nach Meiningen zurück. Hier wurde er Mitglied der Künstlerklause und pflegte freundschaftlichen Kontakt mit dem „Theaterherzog“ Georg II. und dessen Frau Helene von Heldburg. 1888 ernannte ihn der Herzog zum Hofrat. 1895 setzte ein Schlaganfall dem literarischen Schaffen Baumbachs ein Ende. Der Dichter verbrachte seine letzten zehn Jahre im Siechtum.

Rudolf Baumbach zählte mit seinen vorwiegend heiter-burschikosen Gedichten, seinen Erzählungen und Versepen zu den Modedichtern der Kaiserzeit vor dem 1. Weltkrieg. Heute sind im deutschsprachigen Raum neben „Hoch auf dem gelben Wagen“ von ihm nur noch wenige, ebenfalls volksliedhaft vertonte, Texte populär, z.B. „Die Lindenwirtin“. In Slowenien kennt man Baumbachs Versepos „Zlatorog“ in der landessprachlichen Nachdichtung durch Anton Funtek.

Das Grab des Dichters befindet sich auf dem Meininger Parkfriedhof, eine Denkmalbüste neben dem Baumbachhaus.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Ludwig Bechstein Ludwig Bechstein

(1801-1860)

Ludwig Bechstein kam unehelich in Weimar zur Welt und wuchs dort bei Pflegemüttern auf. 1810 nahm ihn der entfernt verwandte Meininger Forstwissenschaftler Johann Matthäus Bechstein zu sich. Nach vorzeitigem Verlassen des hiesigen Lyceums nahm Bechstein eine Apothekerlehre in Arnstadt auf, die er 1822 mit der Gehilfenprüfung abschloss. In jener Zeit entstanden erste literarische Arbeiten, 1823 erschien sein erstes Buch „Thüringische Volksmährchen“. In den Folgejahren war Bechstein an Apotheken in Meiningen und Salzungen tätig.

1828 wurde Herzog Bernhard II. Erich Freund von Sachsen-Meiningen auf den literarisch begabten Untertan aufmerksam. Er ermöglichte Bechstein von 1829 bis 1831 Studien der Philosophie, Geschichte, Literatur und Kunst in Leipzig und München.Anschließend war Bechstein als herzoglicher Bibliothekar und Archivar bis zu seinem Tod in Meiningen angestellt. Diese berufliche Position begünstigte seine literarischen und wissenschaftlichen Vorhaben, in deren Mittelpunkt die Regionalgeschichte stand. In den folgenden Jahrzehnten publizierte Bechstein eine Vielzahl von belletristischen (Gedichte, Versepen, Erzählungen, Romane) und wissenschaftlichen Werken mit historischen Stoffen. Sein Schaffen vollzog sich in der Trinität von Dichtung, Forschung und Sammlung. Zum Zwecke der Forschungs- und Sammlungstätigkeit gründete der Polyhistor 1832 in Meiningen den „Hennebergischen alterthumsforschenden Verein“, dessen Direktor er bis zu seinem Tod blieb. Auch Bechsteins Reiseliteratur ist erwähnenswert.

Einen festen Platz in der deutschen Nationalliteratur und einen bescheidenen in der Weltliteratur sicherte sich Ludwig Bechstein mit seinen Märchen- und Sagensammlungen. „Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes“ erschien schon 1835 bis 1838 in vier Bänden. Neben weiteren Sagenbänden publizierte Bechstein 1853 sein Hauptwerk auf diesem Gebiet: das „Deutsche Sagenbuch“. Der über 800 Seiten starke Band enthält 1000 Sagen aus dem gesamten damaligen deutschsprachigen Raum. Noch erfolgreicher wurde „Ludwig Bechsteins Märchenbuch“. Seit der Erstausgabe 1845, damals noch unter dem Titel „Deutsches Märchenbuch“, wurde es bis heute immer wieder aufgelegt, seit 1857 mit den beliebten Holzschnitten nach Zeichnungen von Ludwig Richter.

Im Stadtbild erinnern heute der Bechstein-Märchenbrunnen, das einstige Wohnhaus mit Gedenktafel und seine Grabstätte an Ludwig Bechstein.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Jean Paul Jean Paul

(1763-1825)

Der zu Lebzeiten besonders bei der weiblichen Leserschaft äußerst beliebte Prosaautor kam im Mai 1801 nach Meiningen. Hier genoss er sein junges, spätes Eheglück und schrieb an seinem „Kardinalroman“, dem „Titan“. Bald verband den eigenwilligen Schriftsteller ein freundschaftliches Verhältnis mit Herzog Georg I. Dieser wollte Jean Paul lebenslang an seine kleine Residenz binden. Doch schon im Juni 1803 übersiedelte die „ewige Wanderratte“ nach Coburg. Jean Paul hatte in Meiningen eine Stadt mit den für ihn wichtigen „drei B“ – Bücher, Berge, Bier – gesucht.

Während ihm die hiesigen Parkanlagen sowie die schöne Umgebung gefielen und sich in seinen Werken wiederfinden, stellten ihn die anderen zwei B hier nicht zufrieden: Bier ließ Jean Paul fassweise aus Bayreuth anliefern und Meiningen bezeichnete er als „brückenarme Stadt, wo man die Philosophie nur aus der Buchhändlerrechnung kennt“. An den Aufenthalt Jean Pauls in Meiningen erinnert eine Tafel an der Stelle seines einstigen Wohnhauses (Georgstraße 17a) sowie ein Denkmal im Englischen Garten.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Friedrich Schiller Friedrich Schiller

(1759-1805)

Der neben Goethe berühmteste Vertreter der deutschen Nationalliteratur verbrachte eine kurze, aber für seine weitere Entwicklung bedeutsame Zeit im Meininger Land.
Am 7. Dezember 1782 traf Schiller als württembergischer Deserteur in Meiningen ein. Im hiesigen Gasthof „Zum Hirsch“ am Marktplatz kam es zu der folgenreichen Begegnung mit dem Meininger Hofbibliothekar Wilhelm Reinwald. Von hier aus führte der Weg des Flüchtlings ins nahe gelegene Dorf Bauerbach, wo ihm die Gutsherrin Henriette von Wolzogen Asyl gewährte. Während seines gut halbjährigen Aufenthaltes dort schrieb Schiller das Drama „Kabale und Liebe“, bearbeitete sein Bühnenstück „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ und notierte einen ersten Entwurf des viel später vollendeten „Don Carlos“. Außerdem fand der junge Dichter in der Bauerbacher Einsamkeit Zeit für historische Studien und die Erarbeitung einer eigenen Kunstauffassung. So reifte der bisherige Stürmer und Dränger ein Stück in Richtung auf den späteren Klassiker. Im Juli 1783 verließ Schiller sein Asyl, um am Mannheimer Theater ein Fortkommen zu suchen.

Die wichtigste Kontaktperson für den reifenden Dichter in der Bauerbacher Zeit wurde der philologisch gebildete und ebenfalls literarisch aktive Wilhelm Reinwald. Dieser heiratete 1786 Friedrich Schillers ältere Schwester Christophine (1757-1847), die daraufhin 55 Jahre ihres langen Lebens in Meiningen verbrachte. Deren Anwesenheit führte nicht nur zu zwei weiteren Begegnungen des inzwischen berühmten Bruders mit Meiningen. Nach dessen Tod wurde Christophine Reinwald als Zeitzeugin der klassischen Periode und einstige Vertraute Friedrich Schillers zu einer lebenden Ikone des aufkommenden Schiller-Kultes und Meiningen zu einem Pilgerort der Schiller-Verehrung.
An letztere erinnert im Stadtbild die 1905 gepflanzte Schiller-Eiche, an die denkwürdige Begegnung Schillers mit Reinwald eine Gedenktafel. Auch hiesige Stationen aus dem Leben von Christophine Reinwald sind im heutigen Stadtbild vorfindbar.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth


Das Haus Sachsen-Meiningen

Bernhard I. Bernhard I.

* 10. September 1649 in Gotha
† 27. April 1706 in Meiningen

Als Lieblingssohn des Vaters, Herzog Ernsts I. von Sachsen-Coburg-Gotha, wuchs der Drittälteste unter den sieben Söhnen im Schloss Friedenstein zu Gotha auf. Da damals das Gesetz zur Primogenitur (Erbrecht für den erstgeborenen Sohn) für Gotha noch nicht existierte, sollten die sieben Söhne nach dem Tode des Vaters 1675 das Land gemeinschaftlich regieren. Dies ging jedoch nicht lange gut und das große Teile Zentral- und Südthüringens umfassende Land musste 1680/81 aufgeteilt werden. Es entstanden sieben Kleinstfürstentümer und lieferten ein Beispiel für die in Deutschland und besonders in Thüringen so typische Kleinstaaterei.

Bernhard erhielt den anfänglich nur 12 Quadratmeilen umfassenden Landstreifen zwischen Salzungen, dem halben Dorf Mehlis, Maßfeld und Henneberg zugesprochen. Es bildete sich das Herzogtum Sachsen-Meiningen. Daher verlegte Bernhard seinen Wohnort in die größte und befestigte Stadt seines Landes nach Meiningen. Somit wurde der Ort zum ersten Mal in seiner über 700jährigen Geschichte Residenz. Die vorgefundene Burg mit ihrer Hauptbausubstanz aus dem 16. Jahrhundert reichte für die repräsentativen Ansprüche bei weitem nicht aus.

Daher ließ Bernhard I. alle Burggebäude außer dem "großen steinernen Hause", seiner zeitweiligen Residenz, abreißen und 1682 den Grundstein legen zu einem größeren und zeitgemäßen Schloss. Süd- und Mittelflügel wurden 10 Jahre später mit der Einweihung der Schlosskirche im Äußeren vollendet. Sie präsentieren sich seither zusammen mit dem älteren Nordflügel (Bibrabau) als Dreiflügelanlage. Sie erhielt nach der zweiten Gemahlin des Herzogs den Namen Elisabethenburg.

Um jedoch dieses große Bauvorhaben realisieren zu können, mussten den knapp 2000 Einwohner der Stadt Meiningen zusätzliche Frondienste und Steuern auferlegt werden, da die eigenen Geldmittel bei weitem nicht ausreichten. Der Herzog verpfändete bzw. verkaufte auch Kammergüter und Gerechtigkeiten. Sogar die Kassen für die Waisenhäuser und Ärmsten der Armen mussten mit Zahlungen belastet werden. Darüber hinaus versuchte der in Alchemie bewanderte Bernhard I. in einem Gemach des Schlosses den "Stein des Weisen" zu finden bzw. ein anderes Element in Gold umzuwandeln. Damit war Bernhard I. von Sachsen-Meiningen nicht anders als seine fürstlichen Zeitgenossen, die dieser Diskrepanz Herr zu werden versuchten, einerseits ihre Staatswesen möglichst schuldenfrei am Laufen zu halten und gleichzeitig ihrem hohen Stande entsprechend zu repräsentieren.

Bernhard präsentierte sich auch als Förderer der Künste. So fanden vor allem Stuckateure wie die Gebrüder Lucchese mit ihrer Gruppe, Samuel und Johann Peter Rust und Johann Jost Hallung ihr Auskommen. Ebenso zog der spätere Hofbildhauer Johann Michael Ehinger von Straßburg über Nördlingen nach Meiningen. Er schuf die barocke Kanzel und die Chorschranken für die Kirche des Schlosses Elisabethenburg.
1690 wurde die Hofkapelle das erste Mal urkundlich erwähnt. Als ersten Kapellmeister berief Bernhard den bekannten Komponisten und Sänger Georg Caspar Schürmann aus Braunschweig. Er legte außerdem den Grundstock zur Herzoglichen Bibliothek, die später mit Handschriften und Drucken aus dem 14.-17. Jahrhundert zu den wertvollsten in Thüringen gehören sollte.

In erster Linie der Repräsentation geschuldet war die Innenausgestaltung der Elisabethenburg mit ihren Festsälen und ihre 100 Meter langen Zimmerfluchten. So sollte eine sich in der Prachtentfaltung steigernde Raumfolge von Vorgemächern auf den Thronsaal als Höhepunkt hinführen. In diesem heute nicht mehr existierenden Festsaal wollte Bernhard - wie in den Gemächern des französischen Königs Ludwig XIV. - riesige und kostbare Wandteppiche sehen, aus Wolle und Seide, verwoben mit Silber und Gold. Als Thema suchte er sich, ähnlich wie Ludwig XIV., sieben Szenen aus dem Leben von Alexander dem Großen aus. Mit der damals üblichen, sämtliche Wände einschließlich Fenster und Türen bedeckenden, Hängung wurde bei flackerndem Fackel- oder Kerzenlicht ein "Show"-Effekt erzielt, der zur wirkungsvollen Machtdemonstration durchaus beabsichtigt war. Mit Hilfe der weitläufigen Schlossanlage und nicht zuletzt der Tapisserien mit Darstellungen aus dem Leben Alexander des Großen wurde Autorität und Stellung des Meininger Herzogs als erster Mann im Staate und als Großer unter Großen sinnbildlich verkörpert. Einer dieser drei realisierten Teppiche konnte für die Meininger Museen wiedererworben werden.

Nach dem Tod Bernhards I. regierten sein Sohn aus erster Ehe, Ernst Ludwig I., von 1706-1724, dann jeweils bis zu ihrem frühen Tode die Enkel Ernst Ludwig II. (1709 - 1729, 1. Bild links) und Karl Friedrich (1712 - 1743, 2. Bild links). Da nach wie vor eine Primogeniturordnung fehlte, mussten schließlich die letzten beiden Söhne aus erster und zweiter Ehe, Friedrich Wilhelm und Anton Ulrich gemeinsam regieren bis zum Tod des ersteren 1746. Erst dann kam der Jüngste, Anton Ulrich, als alleiniger Regent an die Macht.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Anton Ulrich Anton Ulrich

* 22. Oktober 1687 in Meiningen
† 27. Januar 1763 in Frankfurt am Main

Als Jüngster von insgesamt acht Söhnen Herzog Bernhards I., des Ahnherrn des sachsen-meiningischen Hauses, ging Anton Ulrich nicht davon aus, dass er jemals die Alleinherrschaft über Sachsen-Meiningen erlangen würde. Daher führte er ein für "überflüssige" Adelssprösslinge charakteristisches Leben, das vorrangig dem Militär, der Bildung, den Wissenschaften und Künsten gewidmet war und hielt sich überwiegend außerhalb des Landes auf. Seine Kenntnisse berechtigten ihn, sich zu den Gelehrten zu zählen. Neben den Sprachen Latein, Französisch und Italienisch beherrschte er auch die Altertumskunde, Numismatik und Literaturgeschichte ebenso gründlich wie Weltgeschichte und Staatsrecht. Kein Wunder, dass er bei seinen endlosen Streitigkeiten auch fast immer selbst die Feder führte.

Er war bekannt sowohl für seinen scharfen Verstand als auch für seinen eisernen Willen, der sich bis zum Starrsinn steigern konnte. Kostproben davon bekamen seine älteren Brüder zu spüren. Er galt als sparsam im Privatleben, großzügig bis verschwenderisch gegenüber Gelehrten und Künstlern oder wenn es Belange seines Hauses bzw. den Besitz von Kunst- oder Literaturschätzen betraf. Denn er hatte von seinem Großvater Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel nicht nur den Namen, sondern auch die Kunstsinnigkeit geerbt. Die reichen und vielfältigen Kunstsammlungen im Schloss Elisabethenburg gehen zu großen Teilen auf die umfassende Sammlungstätigkeit Anton Ulrichs zurück. Der Bogen spannte sich dabei von Gemälden niederländischer und flämischer Meister über Grafiken, Bücher, Musikalien, Münzen und Medaillen bis hin zu Mineralien und einer prominenten Sammlung von Notenhandschriften der Wiener Klassik.

Als sein Vater Bernhard I. 1706 starb, hatte dieser zwar testamentarisch angeordnet, dass das Land nicht geteilt werde, aber es fehlte eine Primogeniturordnung, die dem ältesten Sohn die Alleinregentschaft gestattet hätte. So mussten die drei überlebenden Söhne gemeinschaftlich regieren. Dagegen opponierte der Älteste, Ernst Ludwig I., der ähnlich wie Ludwig XIV. von Frankreich eine absolutistische Regierungsform mit starker Konzentration auf die Person des Herzogs durchzusetzen suchte. Der geistig unbeweglichere mittlere Bruder machte dabei keine Probleme, der willensstarke, erst 19jährige Anton Ulrich umso mehr. Auch pflegten die älteren Brüder den Jüngsten bei Erbanfällen und Ähnlichem mit Vorliebe leer ausgehen zu lassen. Die Folge war eine wahre Flut von Streitigkeiten und Gehässigkeiten, die das kleine Land reichsbekannt werden ließen. Dies besserte sich auch nicht nach dem Tode des Ältesten 1724. Die übrig gebliebenen Brüder begannen nun jeweils das Gegenteil von dem anzuordnen, was der andere befohlen hatte und vervollkommneten das Chaos im Lande.

Auch wegen seiner morganatischen (nicht standesgemäßen) Ehe bestand Anton Ulrichs weiteres Leben aus Petitionen an den Kaiserlichen Hof, Prozessen, Intrigen oder Bestechungen. Denn er hatte seine militärische Karriere alsbald an den Nagel gehängt wegen seiner Liebe zur hessischen Hauptmannstochter Philippina Elisabetha Cäsarin, der Kammerzofe seiner Lieblingsschwester Elisabeth Ernestine Antoinette. Diese ehelichte er heimlich in Holland und führte daraufhin ein ziemlich unstetes Leben in Amsterdam. Selten fuhr er in sein Heimatland und Briefe erreichten ihn nur auf Umwegen. Erst Jahre später begann er um diese Ehe und um die Erbberechtigung seiner Kinder mit allen Mitteln zu kämpfen. Da seine Tante mütterlicherseits die Frau des Kaisers Karl VI. war, konnte Anton Ulrich vorerst sein Anliegen durchsetzen. Dies stieß natürlich auf wenig Gegenliebe bei seinen Vettern und Brüdern. Da aber Karl VI. recht bald starb und Kaiser Karl VII. und drei Jahre später Franz I. den Thron bestieg, wurde auf Betreiben seiner missgünstigen Verwandten Anton Ulrichs 10 Kinder für nicht sucessionsfähig erklärt. Seine Gemahlin verstarb 1744, wenige Wochen vor der Urteilsverkündung. Anton Ulrich war Witwer und ohne erbberechtigte Nachkommen, als er endlich 1746, nach dem Tod seines mittleren Bruders, die Alleinregierung übernahm. Die ernestinischen Verwandten in Gotha und anderswo rechneten mit dem Aussterben der sachsen-meiningischen Speziallinie und verhandelten bereits über die Aufteilung des Landes. Doch sie hatten nicht mit Anton Ulrichs starkem Lebenswillen gerechnet. Als 63jähriger Mann heiratete er die 20jährige Charlotte Amalie von Hessen-Philippsthal und versäumte nicht, mit einer gewissen Schadenfreude die Geburt weiterer acht nun standesgemäßer Kinder mit Royalfoliobögen überall anzuzeigen.

Durch diese lebenslangen Auseinandersetzungen aber war ihm jeder Aufenthalt in Meiningen verleidet. Er zog es vor, seinen Wohnsitz außerhalb des Landes in der freien Reichsstadt Frankfurt am Main aufzuschlagen, von dort aus die Regierungsgeschäfte zu erledigen und die am Boden liegende Landesverwaltung wieder aufzubauen. Diese Bestrebungen waren aufgrund der räumlichen Entfernungen, mehr aber noch durch den siebenjährigen Krieg, von geringem Erfolg gekrönt. Erst seine Gemahlin Charlotte Amalie konnte von Meiningen aus Begonnenes fortführen und dem Herzogtum Sachsen-Meiningen zu einer wahren Landesmutter werden.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Charlotte-Amalie Charlotte Amalie

* 10. oder 11. August 1730 (Philippsthal)
† 07. September 1801 (Meiningen)

In einer Zeit, die "große Frauen" in Kunst, Wissenschaft und Politik offiziell kaum aufzuweisen hatte, gehörte Charlotte Amalie, Herzogin von Sachsen-Meiningen, zu den Ausnahmen. Nicht ganz so "groß" und berühmt wie ihre Zeitgenossinnen Maria Theresia oder Katharina die Große, bewirkte sie doch für das kleine Herzogtum Sachsen-Meiningen Entscheidendes. Nicht nur, dass sie, wie es oft in direkten oder indirekten Hinweisen heißt, die Hauptaufgabe des weiblichen Adels erfüllte, für zahlreiche Nachkommenschaft zu sorgen, galt sie auch als Retterin des Herzogtums.

Als sie, wie Katharina von Russland, 33jährig die Regentschaft übernahm, fand sie ein finanziell völlig zerrüttetes Land mit korrupten Behörden vor. Nicht nur Missernten, die für Hungerperioden sorgten, und der Siebenjährige Krieg hatten die Finanzen ruiniert, sondern auch die Misswirtschaft und geradezu sprichwörtliche Streitsucht des Meininger Fürstenhauses. 1763 war Herzogin Charlotte Amalie gezwungen, von Frankfurt kommend, wo sie bisher mit ihrem Gemahl, dem verstorbenen Herzog Anton Ulrich gelebt hatte, in Philippsthal die Ereignisse abzuwarten, da bereits Truppen der gothaischen Verwandtschaft in Hoffnung auf das lukrative Erbe Meiningen belagerten. Doch vom regierenden Kaiser kam der Bescheid, dass sie als alleinige Regentin und Obervormünderin ihrer Kinder eingesetzt sei.

Mit ihrer Ankunft in der Residenzstadt begann der für Sachsen-Meiningen tiefgreifendste Umgestaltungsprozess. Dazu gehörten der wirtschaftliche Wiederaufbau, Organisation des Armenwesens, Humanisierung der Justiz und des Strafvollzugs, Durchsetzung von religiöser Toleranz, Einrichtung eines modernen Schulwesens, Förderung des geistigen kulturellen Lebens und vor allem die Konsolidierung der Finanzen. Dazu berief sie junge, fähige und von den Ideen der Aufklärung beseelte Minister. Nach einem Jahr war die Zentralverwaltung wieder arbeitsfähig und in fünf Jahren alle alten Ratsmitglieder durch junge Leute ersetzt worden. Wegen der astronomischen Verschuldung des Landes lag das Hauptaugenmerk auf den Finanzen, wobei Charlotte Amalie kompromisslos vorging und auch nicht vor Einsparungen im eigenen fürstlichen Haushalt zurückschreckte. Soweit es nicht die Staatsräson gebot, wurde auf kostspielige Geburtstagszeremonien verzichtet.

Sie war auch die erste, welche - um Kosten zu sparen - die höfischen Finanzen über ein Jahr analysierte und plante. Damit bewahrte sie Meiningen vor einem ähnlichen Schicksal wie des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen, welches wegen totaler Überschuldung in die Schlagzeilen geriet und später aufgehoben wurde. Trotz unbedingter Sparsamkeit lebte aber die höfische Kultur wieder auf mit Theateraufführungen oder Konzerten. Großer Wert wurde auch auf die Bildung gelegt. Nachdem Sachsen-Meiningen eher für Starrsinn und Streitsucht bekannt gewesen war, erschien Charlottes Politik eher weich und nachgiebig. Als meisterhafte Diplomatin schaffte sie es, das Knäuel von ererbten Streitigkeiten ihres verstorbenen Mannes zu entwirren und mit freundlicher Unnachgiebigkeit in ihrem Sinne beizulegen. Dabei griff sie mit Vorliebe auf die Dienste von Frauen in diplomatischen Vermittlungen zurück. Auch ihre Kinder hielt die Regentin an, Unfrieden und Misstrauen aus dem Wege zu gehen.

Trotz der insgesamt 18 Kinder, darunter acht Söhne, die Herzog Anton Ulrich gezeugt hatte, blieb Charlotte Amalie die Sorge um den Erhalt des Fürstentums ihr Leben lang. Die 10 Kinder aus der ersten Ehe starben sämtlich unverheiratet. Charlotte Amalie selbst gebar acht Kinder, davon vier Söhne. Zwei Jungen starben aber schon früh. Auch die beiden überlebenden Prinzen waren von schwächlicher Natur. Man bedenke, dass der Vater bei der Geburt des älteren bereits 67 und bei dem jüngeren 74 Jahre alt war. Nur ihr jüngster Sohn Georg konnte nach langem Warten für einen einzigen männlichen Enkel sorgen. Als sie starb, wurde dieser gerade der Mutterbrust entwöhnt. Ihren Tod betrauerte man tief. Ihr überlebender Sohn, Herzog Georg I. ließ sie, wie sie es sich gewünscht hatte, nicht in der Fürstengruft begraben, sondern auf dem städtischen Gottesacker bei ihren Untertanen.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Georg I.                          Georg I.

* 04. Februar 1761 (Frankfurt am Main)
† 24. Dezember 1803 (Meiningen)

Als Georg I. von Sachsen-Meiningen starb, hieß es: "Er war ein weiser Regent, ein wohlwollender Fürst und ein Vater seines Volkes; er war ein thätiger Menschenfreund ...; ein Gönner der Gelehrten und Künstler und ein Mann von edlem hohen Charakter." Auf der Basis der klugen, soliden und von den Ideen der Aufklärung geleiteten Politik seiner Mutter Charlotte Amalie führte Georg I. das Land ab 1782 im Sinne des aufgeklärten Absolutismus weiter. Denn im 18. Jahrhundert gab es weder bei der Obrigkeit noch beim Volk ein Demokratieverständnis. Deshalb setzte Georg ein Regierungskonzept um, in welchem sich der weise Herrscher, ähnlich wie Sarastro in Mozarts Zauberflöte, vom Gottesgnadentum gelöst und sich dem Menschen zugewandt hat. Das ging soweit, dass man bei Hofe lernen musste, sich des förmlich schwülstigen Kanzleistiles zu enthalten und die bürgerlich-schlichte Kleidung des Herzogs aus heimischem Tuch zu respektieren.

Er legte großen Wert auf die Bildung aller, nicht nur seiner eigenen Kinder. Zur Geburt seines Sohnes Bernhard gab er bekannt, auf die festliche Beleuchtung seines Schlosses mit in die Fenster gestellten Kerzen verzichten zu wollen und das Geld für einen Schulneubau zu spenden und rief seine Untertanen dazu auf, es ihm gleichzutun. Aus dieser Anregung entstand das spätere Gymnasium Bernhardinum. Gleich im Jahr seines Regierungsantritts verordnete er die Einführung fester Bibliotheksstunden und machte somit die stattliche herzogliche Bibliothek des Öffentlichkeit zugänglich. Das Gleiche galt für die herzoglichen Kunstsammlungen, um die sich auch schon sein Bruder Karl verdient gemacht hatte. Die anspruchsvollen Konzerte der Hofkapelle wurden ins Logenhaus verlegt und der allgemeinen Bürgerschaft zugänglich.

Außer der Förderung von Landwirtschaft, Industrie, Chausseebau war auch die Forstwirtschaft von großer Bedeutung, denn der Raubbau an den Waldressourcen einschließlich der damit verbundenen Bodenerosion hatten bereits damals erschreckende Ausmaße angenommen. 1801 wurde die Forstakademie in Dreißigacker gegründet und einer der fähigsten Männer an deren Spitze berufen: Johann Matthäus Bechstein. Auf wissenschaftlich fundierter Basis suchte man nun Wald- und Tierbestand zu erhalten und zu vermehren. Auch versuchte Georg seinen Untertanen die Einheit von Schönheit und Nutzen der Natur zu vermitteln. Die Anlage des Meininger Englischen Gartens (1782) und des Parks von Altenstein geht auf ihn zurück.

Neben den Schulen wurde auch das Kirchenwesen reformiert. So z.B. hob man die öffentliche Buße bei unehelicher Mutterschaft, der Exorzismus bei der Taufe oder die pflichtgemäße Einzelbeichte auf. Zugunsten der belehrenden Predigt trat die Liturgie in den Hintergrund. Der Grundsatz bei der Armenhilfe lautete hier: keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. Für Kinder, die wegen des Broterwerbs nicht zur Schule gehen konnten, wurde eine Armenschule eingerichtet mit angeschlossener Arbeitsanstalt, in der sie Nähen und Stricken oder andere handwerkliche Tätigkeiten erlernen konnten und dabei auch etwas Geld verdienten. Dort waren ärztliche Betreuung sowie Medikamente für Kinder und Erwachsene kostenlos. Alle anderthalb Jahre durften sie sich gegen geringes Entgeld neu einkleiden. Unter einem Pseudonym publizierte Georg sogar in philosophischen Schriften. Dank seine vielfältigen geistigen und praktischen Aktivitäten im Sinne der Aufklärung galt er für viele Fürsten seiner Zeit als Vorbild und sein Land als das, in welchem der aufgeklärte Absolutismus seine stärkste Ausprägung erfahren hat. Georgs Überlegungen gingen soweit, das Geheime Ratskollegium auflösen und sein Herzogtum in einen liberalen Verfassungsstaat überführen zu wollen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Georg war, ähnlich wie seinem älteren Bruder Carl, kein langes Leben beschieden. Das hagere und blässliche Aussehen beider lässt auf eine schwache körperliche und gesundheitliche Konstitution schließen. Das war auch kein Wunder: Seinen Vater erlebte Georg kaum noch, denn dieser hatte bereits beim Zeitpunkt der Zeugung das für damalige Verhältnisse geradezu biblische Alter von 73 Jahren. Er selbst heiratete 21jährig Louise Eleonore von Hohenlohe-Langenburg. Es wurden nur drei Kinder geboren, ein Jahrzehnt nach der Eheschließung die Tochter Adelheid, zwei Jahre später Ida und der Thronnachfolger gar erst im 19. Ehejahr. Auch Bernhard lernte seinen Vater kaum kennen. Kurz nach dem dritten Geburtstag seines Sohnes erkrankte der knapp 43jährige an einem hitzigen Brustfieber, dem er am Weihnachtsheiligabend erlag.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Luise-Eleonore Luise Eleonore

* 11. August 1763 (Langenburg)
† 30. April 1837 (Meiningen)

Die Regentschaft von Louise Eleonore stand unter keinem so guten Stern wie die ihres verstorbenen Gemahls. An Weiterführung der von Georg I. angegangenen Reformen war durch die zahlreichen Kriege kaum zu denken.

Unter Napoleon war das Land in den Rheinbund gezwungen worden, wo es immer wieder für die Kriege des Korsen, wie bei Colberg, in Tirol, Spanien oder Russland, Truppenkontingente aufzustellen hatte. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig und dem Sieg von Waterloo hatte das sachsen-meiningische Land noch einige Zeit an den Folgen zu leiden. Denn es folgten vermutlich von den französischen Truppen bzw. Verwundeten eingeschleppte Epidemien und eine Teuerung durch Missernten.

Vor allem im gebirgigen und armen Oberland versuchte die Herzogin mit Spenden und Ankauf fremden Getreides die schlimmste Not zu mildern. Erst ab 1819 folgten wieder ruhige und fruchtbare Jahre, in welchen sich auch der Lebensstandard der Bevölkerung allmählich besserte. Luise Eleonore wird oft mit ihrer sehr erfolgreich regierenden Schwiegermutter Charlotte Amalie verglichen, gleichermaßen gewürdigt. Viel Arbeit und taktisches Geschick war vonnöten, um die Fortexistenz des Herzogtums zu ermöglichen. Auch sie fand in den verzwicktesten Lagen, und das kam während der Napoleonischen Kriege häufig vor, immer das richtige Wort.

1821 konnte endlich auch das bereits von Georg I. begonnene Gymnasium Bernhardinum eingeweiht werden. Darüber hinaus wurden mit Hilfe zahlreicher Verträge "Flurbereinigungen" bzw. Tauschs vorgenommen, um das Land besser verwaltbar zu machen. Großen Wert legte sie auf eine vorzügliche Ausbildung ihrer drei Kinder. Zeitumstände und Kostengründe verhinderten, dass Luise Eleonore mit ihren Kindern häufige Reisen unternehmen konnte, wie etwa ihr Schwiegervater Anton Ulrich. Jedoch eine aufwendige Bildungsreise zugunsten ihrer Kinder in die Schweiz und nach Oberitalien konnte realisiert werden. Hauptzweck war ein Besuch bei Heinrich Pestalozzi in Yverdon.

Im Gegensatz zu Charlotte Amalie hatte Luise Elonore neben einer tot geborenen Prinzessin (1796) nur 3 Kinder und erst als 37jährige einen Sohn geboren, aber alle waren gesund und wuchsen wohl auf. Ida ehelichte 22jährig Bernhard von Sachsen-Weimar. Adelheid bekam erst im 26. Lebensjahr ihren ersten Heiratsantrag von Wilhelm, Prinz von England. Um die hohe Aussteuer aufzubringen, mussten Sondersteuern erlassen werden, die aber gleich für mehrere Ämter wegen Zahlungsunfähigkeit gestundet werden mussten. Gern verlegte Louise Eleonore ihren Aufenthalt in den heißen Sommermonaten nach Schloss und Park Altenstein. Erst in den späteren Jahren, als sie die Regentschaft bereits an ihren volljährigen Sohn abgegeben hatte, leistete sie sich diverse Reisen nach Frankreich, Italien, England oder in die Alpen, wo sie mit möglichst geringem Gefolge die steilsten Berge erklomm.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Königin Adelheid von Großbritannien, eine geborene Prinzessin von Sachsen-Meiningen, Gemälde von Samuel Diez nach William Beechey, 2. Viertel 19. Jahrhundert. Meininger Museen
© Repro Meininger Museen 
Königin Adelheid

* 13. August 1792 (Meiningen)
† 02. Dezember 1849 (London)

Als Adelheid 1818 als verlobte Braut des angehenden Königs nach England reiste, bezeichnete sie ihre Fahrt als "Opfergang" für ihr Heimatland und ihren minderjährigen Bruder, den späteren Herzog Bernhard II. Ehrich Freund von Sachsen-Meiningen. Mit ihrer Hochzeit gelang zum ersten und einzigen Male einem Spross des Sachsen-Meininger Herzogshauses der Sprung auf den Thron eines der größten und mächtigsten Königreiche der Welt. Möglicherweise wäre die 25jährige Adelheid unvermählt geblieben, wenn sie nicht 1818 der Heiratsantrag des englischen Prinzen erreicht hätte. Sie war schon aus dem besten Heiratsalter heraus, da kriegerische Zeitläufe und die eingeschränkten Besuchsreisen wegen chronischen Geldmangels ihre Heiratschancen erheblich gemindert hatten.

Als Tochter Herzog Georgs I. von Sachsen Meiningen und Louise Eleonore, geborene von Hohenlohe-Langenburg, wuchs sie in relativ bescheidenen Verhältnissen auf. Bildung sowie seelisch-moralische Erziehung dagegen genossen im Hause Sachsen-Meiningen hohen Stellenwert. Hatten doch Mutter Louise Eleonore und Großmuter Charlotte Amalie - beide langjährige Regentinnen des Sachsen-Meininger Herzogtums - vorgelebt, wozu notfalls eine Prinzessin in der Lage sein muss, nämlich ein Staatswesen unter Hinteranstellung persönlicher Wünsche zu leiten. Zur Heirat mit William Heinrich, Prinz von Großbritannien und Herzog von Clarence, aber musste sie von ihrer Mutter regelrecht überredet werden. Auch der Herzog von Clarence, der spätere König von Großbritannien, gehörte nicht mehr zu den Jüngsten. In einer vorangegangenen morganatischen Ehe mit einer Schauspielerin hatte er bereits 10 nicht erbberechtigte Kinder gezeugt und war bei der Hochzeit mit Adelheid 53 Jahre alt.

Da zu dieser Zeit der ältere Bruder George regierte, dessen einziges erbberechtigtes Kind aber gestorben war, erging die Order an die übrigen Geschwister, die alle entweder morganatisch oder gar nicht vermählt waren, schleunigst zu heiraten, um dem in England herrschenden Hause Hannover die Erbfolge zu sichern. So war Adelheids Aufgabe in erster Linie, möglichst viele gesunde Kinder zu gebären. Doch trotz aller Fürsorge lebten zwei Töchter nur kurze Zeit und auch zwei spätere Schwangerschaften endeten unglücklich.

Nach dem Tod des Bruders gelangten Adelheid und ihr Ehemann für sieben Jahre auf den englischen Königsthron. Adelheid fiel der Aufstieg nicht leicht. Auch ihr Ehegatte, der als der "Sparsame" in die Annalen der Geschichte einging, war nicht der beste König. Der etwas derbe William hatte vorher seine militärische Karriere bei der Navy gemacht und wurde im Volksmund nur "Sailor-Billy" genannt. Auch soll er im Gegensatz zu Adelheid recht ungebildet gewesen sein. Seine Reden bezeichnete man in der Regel als die reinsten Katastrophen. Immerhin wurden unter seiner Herrschaft die Parlamentsreform durchgesetzt, die Städteordnung verbessert und die Sklaverei abgeschafft.

Durch das vom starken sozialen Engagement geprägte Wesen Adelheids lassen sich Verbindungslinien zwischen ihr und der Heiligen Elisabeth bis hin zur Prinzessin Diana ziehen. Wie Elisabeth von Ungarn, später von Thüringen, und Diana von Spencer, später von Wales, war Adelheid in bestem Hause geboren und Ehefrau eines reichen und mächtigen Mannes. Mit nur begrenzten Machtbefugnissen ausgestattet, machte sie wie auch Elisabeth und Diana das Beste daraus. Für ihre Liebe und Unterstützung den Armen und Schwachen gegenüber wurde sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt, geschätzt und geliebt. Als Königin, vor allem aber als Witwe kümmerte sich Adelheid um die Witwen und Waisen, um die Armen und Kranken. Nicht zuletzt half sie den hungernden Iren und Schotten, wo sie nur konnte.

Und wie Diana und Elisabeth war sie missgünstigen Hofintrigen ausgesetzt. Adelheid hatte vor allem von der Schwägerin ihres Mannes, der Mutter Victorias, nicht viel Gutes zu erwarten. Die spätere Königin Victoria bekannte später einmal sogar, dass sie Tante Adelheid mehr geliebt und vertraut hätte als ihrer eigenen Mutter. Adelheid war es auch, die sich um ihre zahlreichen Nichten und Neffen kümmerte, viele Spiele ersann, Bälle organisierte und den deutschen Weihnachtsbaum auf den Britischen Inseln heimisch werden ließ. An der städtebaulichen Entwicklung Meiningens hatte Adelheid ebenfalls großen Anteil: Sie finanzierte die Bauprojekte ihres jüngeren Bruders zu erheblichen Teilen. So ist ihr u.a. zu verdanken, dass sich Meiningen heute mit dem einstigen Hoftheater, dem Großen und Kleinen Palais in der Bernhardstraße sowie dem Schloss Landsberg von seiner schönen und repräsentativen Seite zeigen kann. Auch der spätere "Theaterherzog" Georg II. von Sachsen Meiningen behielt Adelheid stets in angenehmer Erinnerung, denn sie hatte ihm nicht nur schöne Bücher gekauft, zahlreiche Stiche geschenkt, sondern ihm auch seine geliebte erste Frau, Charlotte von Preußen, mit ausgewählt.

Ihrer großen Beliebtheit ist es wohl zu verdanken, dass in allen Gegenden des britischen Weltreiches Städte, Inseln und Landstriche - wie z.B. die australische Stadt Adelaide - nach ihr benannt wurden. Somit war die Prinzessin aus dem kleinen Thüringer Herzogtum zu einer Repräsentantin der Weltmacht Nr. 1 geworden. Im Meiniger Schloss Elisabethenburg ist das Blaue Cabinet restauriert und ihr zu Ehren als Memorialstätte eingerichtet worden.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Bernhard II. Bernhard II.

* 17. Dezember 1800 (Meiningen)
† 03. Dezember 1882 (Meiningen)

Die Person Herzog Bernhards II. wird in der Geschichte allzu widersprüchlich dargestellt - beschönigte Berichte von seinen Bediensteten und im Gegensatz dazu die seines Sohnes Georg II. Einerseits konnte der gutaussehende Fürst mit Menschen aller Bevölkerungsschichten umgehen und war daher bei seinen Untertanen beliebt. Andererseits legte er auf Etikette und Repräsentation großen Wert. Seine politischen Entscheidungen waren oft oberflächlich und unglücklich.

Dennoch fällt die Gesamtbilanz seiner 45jährigen Regierungszeit bemerkenswert aus: Dank der Vorarbeit seiner Eltern und seiner Großmutter konnte er ein stabiles und funktionierendes Staatswesen übernehmen. Er drang auch weiterhin auf eine Sanierung der Finanzen im Staat und bei Hofe, was 1856 auch eintrat. Das Land bekam 1824 und 1829 eine Verfassung, die Bestand bis 1918 haben sollte. Bernhard II. betrieb die Entwicklung der Banken und der Infrastruktur entscheidend weiter.

Unter seiner Ägide wurde die Werra-Eisenbahn gebaut und Meiningen entwickelte sich zu einem Bankenstandort von nationalem Rang. Großen Anteil hatte Bernhard als Bauherr an der repräsentativen Verschönerung Meiningens. Außer dem ersten Meininger Theater entstanden Schloss Landsberg sowie Bernhard-, Marien- und Charlottenstraße als wichtige städtebauliche Ensembles. Durch den gotha-altenburgischen Erbanfall vergrößerte sich sein Herzogtum sowie die Bevölkerung um das Doppelte, auch wenn Bernhard dabei eine unrühmliche Rolle spielte und sich mit den meisten europäischen Großmächten überwarf.

Von seinem Vater Georg I. hatte er den programmatischen Namen bekommen: Bernhard nach seinem Urgroßvater, dem Gründer der sachsen-meiningischen Speziallinie und Ehrich Freund, weil er seine Diener und Untertanen ehren und ihr Freund bleiben sollte. Doch verlor Bernhard bereits im Alter von drei Jahren seinen Vater. Seitdem war er, der einzige männliche Vertreter des Hauses Sachsen-Meiningen, der Herrscher eines zwar kleinen, aber weitgehend autonomen Staates. Seit er denken konnte, wusste er, dass es in seinem Lande nur einen Herrn gab - ihn selbst. Alle anderen waren Untertanen, auch seine Mutter Louise Eleonore, die bis 1821 die Regierungsgeschäfte führte. Als Souverän und Mittelpunkt eines kleinen Universums war er völlig frei im Tun und Lassen. Oft fällte Bernhard Entscheidungen spontan und allein, die Verantwortung hatte sein Staatsministerium zu übernehmen.

Bernhard hing sehr an seiner Familie, war stolz auf sein Haus. Rührend ging er mit seiner Gemahlin um und fürsorglich mit Sohn und Tochter, sofern sie ihm zu Willen waren. Weitsichtig und verantwortungsvoll sorgte er für die gute Erziehung seines Sohnes. Seiner Tochter gestattete Bernhard die Liebesheirat mit dem Altenburger Prinzen Moritz, obwohl die Thronfolger von England und Norwegen ihr Interesse bekundet hatten. So spontan wie er war, fiel sein Entschluss, sich in der verschärften österreichisch-preußischen Rivalität auf die Seite Habsburgs zu stellen. Doch Habsburg verlor und das kostete Bernhard seinen Thron. Er musste 1866 zugunsten seines Sohnes Georg II. abdanken.
Das mag der schlimmste Schlag für ihn gewesen sein, vom quasi lebenslangen Status eines regierenden Souveräns sank er auf den eines Privatmannes ab. Georg II. lehnte den Vorschlag seines Vaters ab, weiterhin als Berater fungieren zu dürfen. Auf diese Weise vergalt er Gleiches mit Gleichem, denn auch Bernhard hatte ihm seinerzeit keinerlei Einfluss auf die Regierungsgeschäfte eingeräumt. Die vorher schon latenten Unstimmigkeiten zwischen Vater und Sohn kamen dadurch offen zum Ausbruch und steigerten sich durch die morganatische Heirat Georgs 1873 ins Unerträgliche. Sie gingen soweit, dass der Vater versuchte, seinen eigentlichen Feind Kaiser Wilhelm I. davon zu überzeugen, dass sein Sohn für regierungsunwürdig zu erklären sei. Erst vier Jahre vor seinem Tod war Bernhard in der Lage, den versöhnlichen Schritt zu gehen und zu schreiben: "Mama u(nd) ich sind bereit, Frau v. Heldburg (die Ehefrau Georgs) zu empfangen."

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth

Georg II. Georg II.

* 02. April 1826 (Meiningen)
† 25. Juni 1914 (Bad Wildungen)

Der europaweite Ruhm des Meininger Hoftheaters im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ist in erster Linie Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen zu verdanken. Unter seiner künstlerischen Leitung entstanden mustergültige Inszenierungen, welche die Entwicklung der europäischen Theaterkunst nachhaltig beeinflussten. Georg II. ist nicht nur der bedeutendste Vertreter der sachsen-meiningischen Speziallinie, sondern er gehörte auch zu den geistig herausragendsten Vertretern des Hochadels im zweiten deutschen Kaiserreich. Ein Künstler und Pragmatiker auf dem Thron, der als Regisseur, Dramaturg und Ausstattungsleiter seine Maxime umzusetzen suchte: Dem (eigenen sowie europäischen) Volke zur Freude und Erhebung.

Die Zusammenarbeit mit der Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg, selbst eine ehemalige Schauspielerin, und dem Theaterintendanten, Organisations- und Logistikgenie Ludwig Chronegk ermöglichten die Umsetzung seiner Vorstellungen. Bei ihrer Arbeit ließen sie sich von "Meininger Prinzipien" leiten wie: Jede noch so prächtige Ausstattung hatte sich dem Werk unterzuordnen. Jeder noch so große Star musste auch als Statist mitwirken. Die "Meininger" waren lange Zeit unübertroffen in ihren Massenszenen sowie in der Licht- und Tonregie. So entstanden in sich stimmige Gesamtkunstwerke, welche auf gründlichen historischen Studien und exakt wiedergegebenen Vorbildern basierten.

Bleibenden Ruhm verschaffte sich der Meininger Herzog nicht nur als "Theaterherzog", sondern auch als Mäzen der anderen Künste. Durch die Berufung großer Dirigenten wie Hans von Bülow, Richard Strauss, Fritz Steinbach und Max Reger an die Spitze seiner Hofkapelle schuf er die Voraussetzungen, dass dieses Orchester für einige Jahrzehnte zu einem der führenden Klangkörper Europas aufrückte und durch Konzertreisen die Musikkultur des Kontinents bestimmte und bereicherte. Mit den größten Komponisten seiner Zeit wie Max Reger, Johannes Brahms und Richard Wagner pflegte er freundschaftliche Beziehungen (Sammlung Musikgeschichte, Ausstellung: Meiningen - Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth).

Doch damit nicht genug - durch seine Auftrags- und Baupolitik als Mäzen mit Kunstverstand förderte er noch unbekannte bildende Künstler und arbeitete mit bekannten wie Adolf von Hildebrandt und Franz von Lenbach zusammen. Die Ankäufe von Werken italienischer Renaissance machten seine Sammlungen zu einem weithin bekannten Anziehungspunkt für Kunstinteressierte. Des weiteren ließ er Bereiche des Meininger Schlosses Elisabethenburg, das Schloss Altenstein und die Veste Heldburg im Stil der Neorenaissance umgestalten. Eine große Vorliebe hatte Georg II. für seine Sommerresidenz am Comer See, die Villa Carlotta. Mit der Gestaltung und Erweiterung des berühmten Parks der Villa erwarb sich der Theaterherzog auch als Gartenarchitekt einen Namen. Zu einer großen Herausforderung für Georg II. wurde das Management für den Wiederaufbau der Residenzstadt Meiningen nach einem Stadtbrand 1874.

Das Meininger Theater ist nicht nur die bekannteste Institution Meiningens, das Theatergebäude ist zugleich auch das bekannteste Gebäude der Stadt. Es entstand unter maßgeblicher Mitwirkung Herzog Georg II. nach dem Brand des Hoftheaters 1908 innerhalb von 14 Monaten und wurde am 17. Dezember 1909 eröffnet.

Der Grundstein für sein auch landespolitisch kluges umtriebiges Wirken wurde durch die sorgfältige Erziehung und Ausbildung gelegt, welche seine Eltern Bernhard II. Ehrich Freund von Sachsen-Meiningen und Marie von Hessen-Kassel geradezu zur "Staatsangelegenheit" werden ließen. Außer der für Adelssöhne unvermeidlichen militärischen Ausbildung studierte Georg an den Universitäten in Bonn und Leipzig Geschichte, Jura, Volkswirtschaft und Kunstgeschichte.

1850 heiratete er die preußische Prinzessin Charlotte, die vier Kindern das Leben schenkte. Dieser Liebesheirat war kein langes Glück beschieden - Charlotte starb mit ihrem letzten Kind im Kindbett. Die zweite Ehe mit der jungen und schönen Feodore von Hohenlohe-Langenburg endete 1872 mit deren Tod.

Da der Fortbestand des Hauses Sachsen-Meiningen durch drei gesunde Söhne gesichert schien, verzichtete Georg II. auf eine weitere standesgemäße Verbindung. Stattdessen ging er 1873 eine morganatische Ehe mit der Schauspielerin Ellen Franz ein. In ihr hatte er die Gefährtin, mit der er Entscheidendes in der Kulturgeschichte Europas umsetzen konnte, denn 1874 begannen die großen Gastspielreisen des Meininger Hoftheaters. Mit ihr durchlebte der Meininger Herzog eine lange fruchtbare Lebens- und Schaffensperiode, in welcher auch wichtige Neuerungen in der Landespolitik gelangen.

Mit Bismarck teilte Georg II. die Überzeugung, dass das zweite deutsche Kaiserreich nach 1871 in seinen Grenzen zu sichern sei und keinen weiteren Krieg verkraften könne. Der expansionistischen Politik Wilhelms II. musste er jedoch tatenlos zusehen und seine in das Ausland reisenden Kapellmeister immer wieder auf die drohende Kriegsgefahr hinweisen. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges blieb ihm erspart, er starb 88jährig am 25. Juni 1914.  Am 28. Juni, dem Tag seiner Beisetzung auf dem Meininger Stadtfriedhof, fielen die Schüsse von Sarajevo.

Georg II. Herzog von Sachsen-Meiningen war fast 50 Jahre lang Souverän eines kleinen Landes, welches er zu einem liberalen Musterstaat entwickelt hatte. Er hinterließ als dienstältester Meininger Regent seinem Nachfolger ein Herzogtum mit einem modernen, in allen Bereichen geordneten und angesehenem Staatswesen.

Quelle: Meininger Museen, Axel Wirth


Verdienstvolle Meininger

J.M.Bechstein J.M. Bechstein

geb. am 11.07.1757 in Waltershausen
gest. am 23.02.1822 in Dreißigacker

Adoptiv- bzw. Ziehvater von Ludwig Bechstein (1801-1860)

Johann Matthäus Bechstein war eine äußerst vielseitig tätige und interessierte Persönlichkeit, die über den gesamten natur- , forst- und jagdkundlichen Kenntnisstand ihrer Zeit verfügte.
Als Aufklärer und Pädagoge im Allgemeinen, wie als Begründer der Jagdtierkunde, als bedeutender Vogelkundler und Naturschützer oder als Pionier der Forstinsektenkunde im Besonderen, hat er in Lehre und Forschung wesentlich zum Erkenntnisfortschritt beigetragen und die Forstwissenschaft auf eine naturwissenschaftliche Grundlage gestellt.
Als zielstrebiger und weitsichtiger Organisator gründete und leistete er drei forstliche Lehranstalten in Waltershausen (1795) und Dreißigacker (1801), wobei letztere 1803 zur Forstakademie erhoben wurde und schuf schon 1795 die Societät für Forst- und Jagdkunde als (welt-) erste Gelehrtengesellschaft von Forst- und Jagdwissenschaftlern.

Er war Herausgeber, Verfasser und Übersetzer einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Buchveröffentlichungen (35 Titel in mehr als 80 Bänden) zur Jagd- und Tierkunde, Vogelkunde, Lurch- und Kriechtierkunde, Heimtierhaltung und nicht zuletzt zur allgemeinen und forstlichen Pflanzenkunde und – gemeinsam mit dem Ritschenhäuser Pfarrer und Entomologen Georg Ludwig Scharfenberg (1746-1810) - auch zur Forstinsektenkunde.
So verwundert es auch nicht, dass seine Kenntnisse und Leistungen in verschiedener Art und Weise Anerkennung fanden. Neben der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Erlangen (1806) kennzeichnen Ehrentitel wie “Vater der Naturkunde“, “Vater der deutschen Naturgeschichte“ bzw. auch “Vater der deutschen Vogelkunde“ oder seine Mitglied- und Ehrenmitgliedschaft in zahlreichen Gelehrtengesellschaften und Akademien seiner Zeit die ihm entgegengebrachte hohe Wertschätzung.

Über diese vielfältige und zeitraubende Tätigkeit als forstakademischer Lehrer und Forscher, Direktor der Forstakademie Dreißigacker und Kammerrat sowie tierkundlicher Schriftsteller hinaus profitierten auch die regionale Forstwirtschaft und Landeskultur von seinem Schaffen. Immerhin wurde von J.M.Bechstein u.a. nicht nur die grundlegende Forsteinrichtung der meiningischen “oberländischen“ Wälder und von 12 Forstrevieren im Meininger Land 1803 und 1817 durchgeführt.
Die unmittelbare Einbindung der angewandten Gehölzkunde (Dendrologie) in die Lehre und Forschung an der Forstakademie Dreißigacker wurde beispielsweise auch für einen seiner Schüler, den 1841 zum Garteninspektor ernannten Theodor Buttmann (1793-1870), zur Grundlage für dessen fruchtbares Lebenswerk.

Walter Uloth, Seeba

Eduard Weitsch Eduard Weitsch

1883 bis 1955

  • geboren am 25.05.1883 in Dresden
  • 1901 bis 1904 "Königliches Seminar" in Neuzelle, Ausbildung zum Volksschullehrer
  • 1904 bis 1906 Volksschullehrer in Dolgelin im Oderbruch
  • 1904 bis 1910 Studium an der "Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften"
  • 1910 bis 1913 Hilfslehrer an der Städtischen Handelsschule Posen; Mitarbeiter im Verlag B.G. Taubner in Leipzig
  • 1913 bis 1922 Direktor der Handelsschule in Meiningen
  • 1920 Begründer der Heimvolkshochschule in Dreißigacker
  • 1920 bis 1933 Leiter der Heimvolkshochschule (von 1920 bis 1922 leitete er diese und auch die Handelsschule)
  • 1933 Hiddensee, Nürnberg
  • 1934 bis 1955 Oberhaching-Deisenhofen bei München
  • 1945 bis 1951 maßgeblich am Wiederaufbau der Erwachsenenbildung beteiligt
  • verstorben am 29.06.1955 in Deisenhofen
  • seine Urne wurde in den späten 50-er Jahren nach einem aufwendigen bürokratischen Verfahren nach Dreißigacker überführt
  • seit 2008 trägt die Volkshochschule Meiningen seinen Namen

 

Gorch Fock Gorch Fock

deutscher Seeschriftsteller, eigentlicher Name Johann Wilhelm Kinau
Er wurde am 22.August 1880 in Finkenwerder geboren und starb am 31.Mai 1916 in der Seeschlacht am Skagerrak (Grabstätte: Insel Steensholm/Schweden).
Nach ihm wurden zwei Segelschiffe (Segelschulschiff) der deutschen Marine benannt.
Gorch Fock wurde als ältestes von sechs Kindern des Hochseefischers Heinrich Wilhelm Kinau und dessen Ehefrau Mette Holst auf der Elbinsel Finkenwerder geboren, wo er auch zur Schule ging.
1895 begann er eine kaufmännische Lehre bei seinem Onkel in Geestemünde. Von 1897 bis 1898 absolvierte er die Handelsschule in Bremerhaven.

1899 hatte Gorch Fock kurzzeitig verschiedene Stellen als Buchhalter und Kontorist in Meiningen, Bremen und Halle (Saale). Für seine geistige Entwicklung spielte Meiningen eine wichtige Rolle. Besonders beeindruckten ihn die Aufführungen des Meininger Hoftheater, die sein weiteres Geistesleben förderten.

1904 kehrte er nach Hamburg zurück und arbeitete bei der Zentraleinkaufsgesellschaft deutscher Kolonialwarenhändler, bis er 1907 Buchhalter bei der Hamburg-Amerika-Linie wurde.
Seit 1904 veröffentlichte er verschiedene, meist in seiner Muttersprache Plattdeutsch verfasste Gedichte und Erzählungen unter den Pseudonymen Gorch Foch, Jakob Holst und Giorgio Focco.
1908 heiratete er Rosa Elisabeth Reich, mit der er drei Kinder hatte.
Sein bekanntestes Werk ist der Roman “Seefahrt ist not!“ (1913), eine heroisierende Darstellung der Hochseefischer von Finkenwerder.
Im ersten Weltkrieg wurde Gorch Fock als Infanterist eingezogen und wechselte im März 1916 auf eigenen Wunsch vom Heer zur Marine. In der Seeschlacht am Skagerrak ging er mit dem Kreuzer “Wiesbaden“ unter.
Die spätere Einvernahme seiner Werke durch die Nationalsozialisten führte dazu, dass der Autor Gorch Fock einseitig als Kriegsverherrlicher und Wegbreiter des Nationalsozialismus wahrgenommen wurde.
Gorch Focks Brüder Jakob Kinau und vor allem Rudolf Kinau haben in seiner Nachfolge eine eigene Bedeutung als plattdeutsche Autoren und Heimatdichter gewonnen.

Werke:
- 1910 Schullengrieper un Tungenkrieper
- 1911 Hein Godenwind
- 1913 Hamborger Janmaten
- 1913 Seefahrt ist not!
- 1914 Fahrensleute, Cilli Cohrs, Doggerbank
- 1914-15 Plattendeutsche Kriegsgedichte
- 1918 Sterne übern Meer

 

Friedrich Mosengeil Friedrich Mosengeil

Carl Friedrich August Mosengeil (* 26. März 1773 in Schönau/ Hörsel; † 2. Juni 1839 in Meiningen) war ein deutscher Stenograf, der als einer der Erfinder der deutschen Kurzschrift gilt.
Er wurde am 26. März 1773 in Schönau/ Hörsel bei Eisenach in einem Pfarrhaus geboren.
1782 berief der Meininger Herzog seinen Vater als Ephorus nach Frauenbreitungen, wo die Familie Mosengeil fortan lebte. Zu jener Zeit lernte der Knabe Friedrich den vier Jahre älteren Ernst Wagner kennen, mit dem er alsbald freundschaftliche Bande knüpfte.
Nach dem Abitur, welches Mosengeil am Meininger Gymnasium ablegte, studierte er Theologie in Jena. Danach wirkte Mosengeil als Lehrer an der Zillbacher Forstschule, die unter Leitung des später namhaften Heinrich Cotta (1763-1844) stand.
1805 wurde er Erzieher des fünfjährigen Erbprinzen Bernhard Erich Freund von Sachsen-Meiningen.
In Meiningen traf Mosengeil erneut mit Ernst Wagner zusammen, dessen poetische Natur ihn zu eigenen Dichtversuchen inspirierte. Der studierte Theologe entfaltete in den folgenden zwei Jahrzehnten eine rege Belletristik, ohne auf diesem Gebiete Bleibendes zu schaffen. Im Herzogtum Sachsen-Meiningen machte er sich durch das Verfassen von Schulbüchern verdient. Die Kopie eines Briefes an den Salzunger Superintendenten Walch, sowie eine Originalausgabe seines „Christlichen Übungsbuches für die oberen Klassen der Volksschule“, erschienen 1824 in Meiningen, belegen Mosengeils Wirken auf diesem Gebiet. Überregionale Bedeutung erlangte Friedrich Mosengeil als Erfiner einer deutschen Kurzschrift. 1796, also noch während der Zillbacher Zeit, erschien in Eisenach sein Buch „Stenographie, die Kunst, mit der höchstmöglichsten Geschwindigkeit und Kürze in einfachen, vor allen anderen Schriftzügen völlig verschiedene Zeichen zu schreiben.
1819 kam in Jena das umfangreichere „Lehrbuch der teutschen Stenographie“ von Friedrich Mosengeil heraus, Beruflich war Mosengeil bis zu seinem Tode an den Meininger Hof gebunden. Als Prinzenerzieher begleitete er seinen Zögling auf zahlreichen Reisen, so nach Frankreich und Italien, in die Niederlande und die Schweiz. Bei einer solchen Gelegenheit lernte Mosengeil 1818 in Jena Goethe kennen, mit dem er bis 1831 in gelegentlichem Briefwechsel stand.
Nach dem Regierungsantritt des Prinzen bekam er schließlich eine Stelle im Meininger Konsistorium. Im Range eines Oberkonsistorialrates und im Alter von 66 Jahren starb Mosengeil in Meiningen, wo er seit 1805 gelebt hat.

Dr. Andreas Seifert, Meininger Museen


Ehrenbürger

Das Ehrenbürgerrecht der Stadt Meiningen heute ist die höchste Auszeichnung der Stadt für Bürger mit besonderen Verdiensten und wurde in Meiningen erstmals 1836 verliehen.

Rechtliche Grundlagen für die Titelverleihung sind: 

  • Thüringer Kommunalordnung – ThürKO – in der Fassung der Bekanntmachung vom 28. Januar 2003, § 11 
  • Hauptsatzung der Stadt Meiningen, § 10

Ehrenbürger der Stadt Meiningen nach diesem Recht sind

  • Paul Oestreicher (* 29. 9. 1931 Meiningen )
    Leiter des Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry, Osteuropareferent des britischen Kirchenrates, Vorsitzender der britischen Sektion von Amnesty International, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, Wartburgpreis.
    Ehrenbürger am 6. Juni 1995
  • Alfred Büchner (* 25. 1. 1896 Meiningen, + 30. 4. 1997 Meiningen )
    Meininger Geschäftsmann
    Ehrenbürger am 25. Januar 1996